Unser Bericht von der Rathaussaal-Debatte

Michael Bengl, OB-Kandidat der Piratenpartei Nürnberg, war vorgestern bei der Diskussion zur Wiederherstellung der historischen Ausmalung des Rathaussaals dabei.

Am 7.5.13 fand endlich die schon lange angekündigte Expertenrunde zum Thema „Dürer zurück in das Rathaus“ statt. Doch die erwartete neutrale Diskussionsrunde entpuppte sich als politische Showveranstaltung gegen eine Rekonstruktion.

Dementsprechend war das Podium klassisch besetzt:

  1. Der Rekonstruktionstotalverweigerer: Zitat: „Was weg ist, ist weg“
  2. Der prüde Substanzapostel: „Man muss die wenigen authentischen Reste bewahren und ihnen einen Dialog mit dem Neuen ermöglichen“
  3. Der Schlechtredner: „Das war schon gar kein guter Dürer, und der wurde immer wieder dilettantisch übermalt.
  4. Der Zeitgeistideologe: „Man muss dass geistige Konzept in seiner Zeit sehen. So etwas ist nicht auf das Heute übertragbar, es muss neu interpretiert werden.
  5. Und der Technokrat: „Es ist gar nicht möglich, die Farbdias als echte Vorlage zu verwenden.“

Fast überflüssig zu erwähnen, das dem Moderator eine gewisse Voreingenommenheit nicht abzusprechen ist.

Demgegenüber war Herr Dr. Warncke auf verlorenem Posten. Seine Argumentation, dass auch eine Rekonstruktion eine Erscheinung des Zeitgeistes ist, wurde nicht ernst genommen. Immerhin war sich das Podium einig, dass der jetzige Zustand nicht ästhetisch überzeugt.

So kam es, wie es kommen musste. Der Wunsch aus der Bürgerschaft, den Zustand vom 1. Januar 1945 wieder herzustellen, wurde in Grund und Boden geredet. Anstatt die Wiederherstellung des Dürerentwurfes aus verschiedenen Richtungen neutral zu beleuchten, stand das Ergebnis von vornherein fest: Die Stadtspitze wünsche es nicht, und präsentiert die Experten, die das untermauern.

So bleibt nur die Anregung der Piraten als Königsweg aus der Misere übrig: Der Stadtrat soll die verschiedenen Möglichkeiten einer Ausmalung neutral ausarbeiten, und dann einen Bürgerentscheid durchführen, und die Nürnberger befragen. Wem das Ergebnis dann nicht gefällt, muss sich die Ausführung im Rathaussaal ja nicht anschauen. Nur durch das aktive Miteinbeziehen der Bürger bleibt der Stadtpolitik die sich jetzt anbahnende Blamage erspart.

Übrigens wurde auch auf dem Titel der Aktion „Dürer zurück ins Rathaus“ herumgehackt, und ihm unterstellt, dass er durch die prägnante Kürze missverständlich aufzufassen sei. Manch einer mag sogar vermutet haben, der Meister sollte vom Johannisfriedhof exhuminiert und im Rathaus aufgebahrt werden. Gut, dass er fast 500 Jahre tot ist, sonst wäre er von der Diskussion um sein Werk zutiefst beschämt.

 


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